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Concerto Jan. / Feb. 97
Löschet Skrepek jr./Zrost
WhileYouWait
EX 273-2
Vertrieb: Extraplatte
Eine interessante und hörenswerte Produktion stellt uns das Trio Löschel/Skrepekjr./Zrost mit ihrer CD "While You Wait" vor. Schon das Cover und seine Gestaltung bieten ein optisches und haptisches Erlebnis (weißer Karton mit SW-Fotos,als CD-Halterung ein schwarzer Gummiring). Wie schon so oft, hat sich auch hier offenbar die Formation des Trios als optimale Ausgangsposition für grenzüberschreitendes, kreatives Musikschaffen erwiesen. Grenzüberschreitend nicht nur im Sinne der Stilistik, die Musik enthält Jazz-, Noise-, Avantgarde- und Popelemente, sondern auch bezüglich der Erweiterung des eigenen Instrumentes und des gemeinsamen Klangkörpers. Es wird sehr behutsam und überlegt mit Samples und Keyboard (bzw. Extended Piano) gearbeitet, der Sound ist trotzdem überwiegend ein akustischer. Die Vorteile einer Kleinstbesetzung betreffend Kommunikation und musikalische Organisation werden bei Musikern dieses Niveaus in jeder Hinsicht wahrnehmbar. Die Wurzeln des Pianisten Hannes Lösche! liegen in der zeitgenössischen Musik, während der Drummer Paul Skrepek jr. bei verschiedenen Jazzformationen (z.B. TON.ART) und mit diversen Jazzmusikern wie Max Nagl oder Franz Koglmann gearbeitet hat. Martin Zrost, Saxophonist und Bassist, wird einigen Leuten als Gründer und Multiinstrumentalist der Gruppe Ohmnibus ein Begriff sein. In verschiedensten Projekten beschäftigten sich die drei Musiker mit anderen Kunstgattungen wie Film, Theater, Tanz und bildende Kunst. Auf durchwegs positives Echo stieß das Trio bei ihren bisherigen Konzerten in Rußland und den USA. Ein Erfolg hierzulande scheint mir gewiß!
esox

Jazz Live, 14.Jg.Nr.
WhileYouWait
Hannes Löschel (p, extended p), Paul Skrepek (dr, elec. bow), Martin Zrost (Wallner) (sax, b, samples)
Böses Moos / Ballade vom guten Benehmen / Information / Millionaire / She Didn’t Understand / Lily / Warteschleife / Mistake / Jobs & People / Drinnen wie Draußen / Footsteps 0f the Policeman / Goldhammer / Clips & Tips / YouThink I Killed Big Lurie / Nabbed / Chic Ultra / Pinguinbeguine
rec.: Juni 96
Vertrieb: Extraplatte

Ein junges österreichisches Trio, das auf sich warten ließ. Aber es hat sich gelohnt. Es agiert mit einem berauschenden Spielwitz und großer Musikalität. An originellen Einfällen mangelt es in keinster Weise. Sie zitieren aus diversesten Stilbereichen, reihen sie aber nichtgedankenlos aneinander, sondern setzen diese Sequenzen mitdem eigen Kopf um. Zudem bringt eine individuelle instrumentale Sprache eine weitere überzeugende Fassette ein. Gewandt changiert das Trio zwischen druckvollen freien Improvisationen und kalkulierten Klangskizzen, die sich mit Monk-Phrasen ebenso auseinandersetzen wie mit Indie-Akkorden oder einer wunderschönen Pop-Melodie. Wird das alles in einer solch geistreichen Weise aufbereitet, besitzt die Musik Leben und Verve. "While You Wait" ist ein engagiertes Werk, welches sich keinen Halbheiten hingibt, sondern unvoreingenommenes Hören anregen will. Es bleibt zu hoffen, daß dieses Projekt einen konsequente Weiterentwicklung erfährt. (HAN)

Music MANUAL, Jan / Feb. 97
WhileYouWait
Hannes Löschel: Piano
Paul Skrepek Jr: Drums
Martin Zrost: Saxophon, Bass, Samples
Extraplatte, EX 273-2,5919

Experimentell
Was die drei jungen Österreicher Löschel, Skrepek und Zrost hier aufführen, ist eine Mischung aus pulsierender Unruhe, coolem Relaxen und intellektueller Verspieltheit. In den Kompositionen treffen Elemente des Rock und des Jazz aufeinander, was sich durch exzessive Improvisationsstrecken zu avandgardistischem Jazz mit Klangexperimenten, Spielereien und streckenweise gewaltiger Power steigert. Dann aber tau chen die Musiker wieder in Melancholie ab, wandern durch verwaiste Bars und verregnete Straßen. Es ist keine leichte Musik. Immer wieder blüht sie auf, bricht ab. Plötzlich wird die melancholische Stimmung wieder durch elektronische Klavierschläge, verzerrte Gitarrensounds und ein wildes Schlagwerk zerstört. Das macht diese Musik anarchisch. Löschel, Skrepek und Zrost führen uns hier hochkontrolliertes Musizieren vor. Auch daraus beziehen die Kompositionen ihre Energie, (ps)

Falter 49/96
Löschel / Skrepek jr. / Zrost: While You Wait
Extraplatte
Ganz gemütlich und entspannt wird in der Einstiegsnummer "Böses Moos" einer melancholischen Melodie nachgehangen, bevor dann Geräusche und Stimmen dazugemischt werden, Bass und Schlagzeug die Gangart verschärfen, gehetzte Pianoakkorde einsetzen, ein schön griffiges, aber keineswegs .überkandideltes Saxophon einsetzt. Schnitt- und Collagetechnik werden ohne billige Ironie und Schaustellergesten verwendet, gut abgehangene Strategien der Spannungssteigerung effektvoll genutzt, und insbesondere die Kompositionen von Hannes Löschel haben eine Vorliebe für melodisches Sentiment am Rande des Kitsches, der aber immer von widerstrebenden Elementen konterkariert wird. Kurz und gut: ein intelligentes, originelles Album. Lediglich den ganz kurzen Nummern gebricht es mitunter an Dreistigkeit, Prägnanz oder einfach der zündenden Idee. Sehr hübsch und einleuchtend dafür das Cover von Elisabeth Kopf und Werner Korn.
Am 13.12., 21 Uhr, treten Löschel/Skrepekjr./Zrost live im Porgy & Bess auf.

Wiener Zeitung 19./20.2.1999
Hermes Lösche! - MESSAGES, EX 373-2
Anrufbeantworterkunst. Hannes Löschel schöpft Kreativität aus dem Telefon
Von Christian Rösner

Bereits im "Jazzsignal" über den österreichischen Musiker Franz Hautzinger wurde über sehr unkonventionelle Art kreativer Komposition gesprochen. Oft sind die Entstehungsgeschichten von musikalischen Projekten mindestens genauso interessant wie das daraus entstandene Produkt, wenngleich das mehr in der freien Musik zu beobachten ist.

Denn desto weniger vorgegebene musiktechnische Rahmenbedingungen vorhanden sind, desto mehr kann sich ein musikfremdes Konzept durchsetzen und dadurch neue, ungewohnte Stimmungen hervorbringen: Eine in der Musik angewandte Konzeptkunst, deren Endprodukt den ganzen Schaffungsprozeß mit einschließt und betont.

Waren die "Schöpfungsgrundlagen" bei Franz Hautzingers letzter CD Kritzeleien, die bei Telefonaten entstanden sind (in Musik umgesetzte Bilder), so ist es bei der aktuellen CD von Hans-Koller-Preisträger Hannes Löschel der Telefonanrufbeantworter, der als Ideen-Pool für kammermusikalische Kompositionen agierte.

"Fast ein Jahr lang landeten auf meinem Sampler unzählige Messages eines analogen Anrufbeantworters. Nachrichten, Geräusche, Hintergrundmusik, Unverständliches. Dieses Material war Ausgangspunkt für die Komposition der Stücke auf der CD "Messages",denen allen der Ursprung in den teils originalen, teils weiterverarbeiteten Klängen des Anrufbeantworters gemeinsam ist", so Hannes Löschel zu seiner CD, die bei der Extraplatte erschienen ist.

Das Projekt ist im Rahmen eines Kompositionsauftrages des "echoraum" zum Thema "Musik und Ideen" entstanden und wurde bereits dreimal in fünfköpfiger Besetzung aufgeführt; Johanna Lewis an der Violine, Michael Williams am Cello, Ernesto Molinari an der Baßklarinette, Josef Novotny-Sampler, Elektronik, und Hannes Löschel am Klavier.

Die vier Themenvorgaben bzw. Ausgangsmaterialien für die Kompositionen lauten: "No Message" das enttäuschende Besetztzeichen, weil der Anrufer nicht aufs Band sprechen wollte. "Canada ham" - immer wieder anrufen und nie ist jemand erreichbar. "Unbekannt" - unentschlüsselbare Nachrichten, Rauschen, Atmen, Hintergrundgeräusche ohne Stimme.

Und schließlich "Rückruf" – der lange Weg des sich Erreichens ... in der musikalischen Umsetzung ein gefühlvolles Hin- und Herpendeln gleichermaßen von Ruhe und Unruhe, Erwartung und Enttäuschung, wobei die Geige weinend und die Baßklarinette stolzierend den Barometer für diesenAbtausch spielen (besonders einfühlsam bei "Canada ham"). Anfang Mai starten die Musiker wieder Konzerte unter dem Motto "Messages". Näheres dazu in den nächsten Jazzsignalen".

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