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Porgy & Bess, Programmheft 12/96
Hannes Löschel: piano, extended piano
Paul Skrepek jr.: drums
Martin Zrost: Saxophone, bass, samples
Der Versuch, die Musik von Hannes Löschel, Paul Skrepek und Martin Zrost in ein Schema zu pressen und stilistisch festzulegen, ist nicht zielführend - zu komplex, zu mannigfaltig kommt sie auf uns zu. Viel eher fordert sie uns auf, innezuhalten, die Ohren für den Moment zu öffnen und sich einzulassen auf ein kaleidoskopisches Spiel, das sich immer wieder zu neuen, oft überraschen- den Gestalten formt.
Martin Kratochwil
Also, ihr für einen Moment geöffneten und eingelassenen Kaleidoskop-Ohren, merket auf: Die Musik des Trios gehört zum Aufregendsten, Frischesten und zugleich Schönsten, was unser Arbeiter-, Bauern- und Hausmeisterstaat der Welt an akustischen Kulturleistungen heutzutage anbietet. Ihre weltgeschichtliche Bedeutung (...) hat sie dadurch erlangt, daß sie die wertvollsten Errungenschaften des bürgerlichen Zeitalters (Anm.: zum Beispiel ein oder mehrere Instrumente meisterlich beherrschen; Notenlesen; Sinn für das Klangschöne ohne jeden Kitsch; feine Ironie) keineswegs ablehnte, sondern sich umgekehrt alles, was in der mehr als zweitausendjährigen Entwicklung des menschlichen Denkens und der menschlichen Kultur wertvoll war (i.e.Free Jazz, Improvisationsmusik, Neue Musik, Sampler und Kaleidoskope), aneignete und verarbeitete. (W. l. Lenin, Ausgewählte Werke, Bd. 5) Aber Obacht! Die Gelassenheit, Prägnanz, ja: Strenge, mit der sich da vor Ihren geöffneten und eingelassenen Kaleidoskop-Ohren musikalische Miniaturen entwickeln, darf nicht über die Vielschichtigkeit dieses akustischen Vexierspiels hinwegtäuschen. Stellen Sie sich eine jener wertvollsten Errungenschaften des (vor-)bürgerlichen Zeitalters vor: Sie sind in eines dieser streng geometrischen, weitverzweigten Labyrinthsysteme eines französischen Barockgartens geraten; hinter jeder Hecke scheinbar vertraute Stimmen; an jeder Abzweigung glauben Sie schon einmal vorbeigekommen zu sein... Seither gelten Sie als vermißt... Also seien Sie auf der Hut, und lassen Sie sich - insbesondere bei Stücktiteln wie Clips & Tips kein ‘p‘ für ein ‘t‘ vormachen.
KP
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